Ein(e) Kanzler(in) im Rollstuhl?

  • Diesen Artikel im Deutschen Ärzteblatt von 1997 habe ich gerade gefunden:

    Schäuble: Ein Tabu wird gebrochen Politiker und Medien thematisieren offen die Behinderung
    Zitat: "Die Tatsache, daß Wolfgang Schäuble seit einem Attentat 1990 im Rollstuhl sitzt, wurde bislang kaum thematisiert. Seit Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) Schäuble als seinen Nachfolger ins Spiel gebracht hat, bröckelt dieses Tabu jedoch.
    So waren aus der CSU deutliche Zweifel daran zu hören, daß ein Mann im Rollstuhl Kanzler sein könne."
    https://www.aerzteblatt.de/arc…ren-offen-die-Behinderung


    Dieser Artikel ist nun schon 20 Jahre alt, aber ich finde, die Fragestellung ist in Zeiten von Inklusion weiterhin aktuell.
    Darf, kann oder sollte ein(e) Politiker(in) im Rollstuhl Kanzler werden?
    Ich meine: JA! Aber welchen Stand hätte ein(e) behinderte(r) Kanzler(in) in der internationalen Politik? Würde die Behinderung als Schwäche ausgelegt werden, oder würde sich in der Politik endlich etwas zum Positiven bewegen?

    3 Mal editiert, zuletzt von Trixi () aus folgendem Grund: Link anklickbar gemacht

  • Warum denn nicht? Ich würde einen Bundeskanzler im Rollstuhl als ein großartiges Zeichen sehen; ähnlich wie vor acht Jahren, als Barack Obama der erst schwarze Präsident der USA wurde, das könnte man durchaus vergleichen.


    Möglicherweise würde die anfängliche Euphorie aber schnell wieder verpuffen, wie das ja bei Obama auch der Fall war, der viele Hoffnungen auf eine bessere Welt, die man in ihn gesetzt hatte, am Ende doch nicht erfüllen konnte.


    Ich gehe aber davon aus, Wolfgang Schäuble wird sich allein aus Altersgründen nicht noch einmal als Kanzlerkandidat aufstellen lassen, von daher dürfte sich die Frage nach einem behinderten Bundeskanzler aktuell nicht stellen.

  • Ich gehe aber davon aus, Wolfgang Schäuble wird sich allein aus Altersgründen nicht noch einmal als Kanzlerkandidat aufstellen lassen, von daher dürfte sich die Frage nach einem behinderten Bundeskanzler aktuell nicht stellen.


    Ja, aktuell hat sich die Frage erledigt und erst einmal muss ein behinderter Mensch den Weg in die Politik schaffen. Wolfgang Schäuble war ja schon in der Politik, als er durch das Attentat zum Rollstuhlfahrer wurde.
    Hätte er es ansonsten bis zum Bundesfinanzminister geschafft? Ich glaube ehrlich gesagt: Nein.


    Ich würde es gut finden, wenn wir in der Politik endlich auch mehr behinderte Menschen sehen würden. Ist vermutlich aber noch ein langer Weg dahin.

  • Und hier ist noch ein Politiker aus Deutschland. Sascha Nuhn ist gehörlos.
    Ein Interview:
    Mit Gebärdensprache in die Kommunalpolitik


    Zitat: "hessenschau.de: Sie haben also einiges an Extra-Ausgaben gehabt."
    Zitat "Nuhn: Ich habe am Anfang viel investieren müssen, um in die Stadtverordnetenversammlung gewählt zu
    werden. Das hat sich auch gelohnt. Sobald ich ein Mandat habe und diese
    Aufgabe ausübe, übernimmt die Stadt Bad Vilbel die Kosten. Die Kosten
    für die Arbeiten in der Partei muss ich weiterhin selber tragen, da dies
    keine Mandatstätigkeit ist."
    http://hessenschau.de/politik/…ad-vilbel-gruene-100.html


    Muss man als behinderter Mensch vermögend sein, um in der Politik mitwirken und aufsteigen zu können? Nach dem Interview habe ich diesen Eindruck. Inklusion geht anders!