Beiträge von Dario

    Ich kann mir vorstellen, viele Ärzte werden weiterhin Krankschreibungen auf telefonische "Bestellung" ausstellen. In meiner Arztpraxis wurde das auch vor Corona schon so gehandhabt, wenn die Praxis z.B. in Stoßzeiten überlastet ist. Wer will denn die Ärzte in diesem Punkt kontrollieren? Das stelle ich mir höchst schwierig vor.


    Ich glaube auch, dass jeder Arzt Verständnis dafür hat, wenn sich jemand nicht ins Wartezimmer setzen will, sondern lieber draußen vor der Tür wartet. Letztes Wochenende in der Notfallambulanz hier am Krankenhaus wurden auch alle zum Warten wieder nach draußen geschickt, Solange das Wetter gut ist, habe ich damit kein Problem.

    Zitat von SPIEGEL

    Mattes‘ Betreuer hat jetzt ein Attest in der Tasche: "Aufgrund der schweren Autismusspektrumstörung in Kombination mit Fremd- und Autoaggressionen" müsse für den Jugendlichen weiter der Zugang zu Spielplätzen und Parks möglich sein", steht da, von der Hausärztin ausgestellt. Mit dem kletterten sie nun über den Zaun zum Spielplatz

    Na, das ist doch wenigstens ein kleiner Lichtblick, wenn solche Ausnahme Regelungen im Einzelfall möglich sind.

    Endlich (!) äußert sich auch der Bundesverband Autismus Deutschland e.V. zu den katastrophalen Folgen, die sich aus den Corona-Gesetzen für autistische Menschen ergeben, wenn z. B. Autismuszentren geschlossen werden. Autismus Deutschland fordert hier dringend Ausnahmeregelungen und Nachbesserungen, damit gewachsene Versorgungsstrukturen nicht dauerhaft geschädigt oder sogar zerstört werden.


    Es gibt mehrere Stellungnahmen zu dem Thema, die alle unter http://www.autismus.de zu finden sind.

    Ich stehe solchen Aufklärungsvideos etwas zwiespältig gegenüber. Einerseits finde ich es toll, dass sich so viel Prominente auf diesem Gebiet engagieren und die Leute auffordern, ihre (physischen) Kontakte drastisch zu reduzieren.


    Anderseits haben diese Statements oft so etwas eklig-oberlehrerhaftes, wo ich mir sage: So ernst die Lage auch ist, aber ich möchte mich als erwachsener, mündiger Menschen nicht wie ein "kleiner Schuljunge" belehren lassen, sondern Informationen "auf Augenhöhe" angeboten bekommen. Man muss bei allem Ernst der Lage nicht auftreten wie der Pfarrer auf der Kanzel, oder ist das zu viel erwartet?


    Trotzdem ist das verlinkte Video musikalisch sehr gut gemacht! :thumbup:

    Die Idee der Digitalisierung finde ich grundsätzlich gut, aber die Bedenken um den Datenschutz teile ich. Ich möchte auch gerne wissen, welche Informationen genau an meinen Arbeitgeber gehen.


    Mich würde ich es auch stören, dass ich als Patient bzw. Arbeitgeber nichts Schriftliches mehr in der Hand hätte; dass Arzt, Krankenkasse und Arbeitgeber alles unter sich ausmachen, und der Patient wird gewissermaßen zum Objekt degradiert. Das hat einen unschönen Beigeschmack und da sehe ich noch Nachbesserungsbedarf!


    Vielleicht könnte man das so regeln, dass der Patient bei einer elektronischen Datenübermittlung grundsätzlich in CC genommen wird, ähnlich wie bei einer E-Mail, damit er die Kontrolle über seine Daten behält. Oder dass man beim Arbeitgeber jederzeit Einsicht in seine "Krankenakte" und die gespeicherten Daten verlangen kann.

    Wer behauptet, dass Autismus keine Behinderung sei, liefert den Ämtern und Krankenkassen tolle Argumentationshilfen für einen Ablehnungsbescheid.

    Genau das ist es! Das scheint ein Punkt zu sein, den auch einige Autisten (gerade aus der Autistic-Pride-Ecke) nicht verstehen. Ob man sich selbst als behindert erlebt, muss (und darf) jeder für sich selbst entscheiden, aber die Verallgemeinerung "Autisten sind nicht behindert!" ist höchst gefährlich und letzten Endes unverantwortlich.

    https://www.wienerzeitung.at/n…sind-nicht-behindert.html


    Solche Artikel ärgern mich! X(


    Zitat: "Autismus ist keine Behinderung oder Krankheit, sondern ein neurologisch-genetisch bedingte Wesensart."

    Ja, Autismus ist auch eine Wesensart, aber sie ist völlig zu Recht als Behinderung anerkannt, mit allen Ansprüchen auf Nachteilsausgleichen, Therapien und Fördermaßnahmen, die sich daraus ergeben. Ohne diese Nachteilsausgleiche (vor allem in Schule und Beruf) hätte viele Autisten überhaupt keine Chance, in der nicht-autistischen "Normalität" zu bestehen.


    Wer Autisten den Behinderungsstatuts abspricht, argumentiert deshalb nicht für Autisten, sondern gegen sie. Wie oft muss man das noch wiederholen, bis die Menschen das endlich begreifen? :icon_rolleyes

    Aus der Süddeutschen Zeitung von Anfang der Woche:


    Elf Jahre Haft im Stromstoß-Prozess


    Ich hab ehrlich gesagt Probleme mit der Urteilsbegründung:


    "Nun muss er für elf Jahre in die Psychiatrie. Nicht für 14 Jahre in Haft, wie das der Staatsanwalt gefordert hatte. Denn G. hat zwar erkannt, dass seine Taten Unrecht waren. Aber wegen einer erst vor kurzem erkannten Autismus-Störung habe er sich nur schwer bremsen können, hatte der Psychiatrische Gutachter erklärt. Nach seiner Einschätzung ist G. nur eingeschränkt schuldfähig. Das Gericht sieht G. daher in der Psychiatrie besser aufgehoben. Werde der Mann nicht behandelt, sei mit weiteren Taten zu rechnen."

    Die verminderte Schuldfähigkeit will ich nicht abstreiten, nur die Begründung verstehe ich nicht. Autismus allein führt nicht dazu, dass jemand sein Verhalten nicht kontrollieren kann. Wenn das wäre, dann wäre ja alle von uns gemeingefährlich und müssten präventiv weggesperrt werden. :icon_rolleyes


    Ich vermute, es steckt mehr dahinter als nur Autismus, warum der Gutachter eine verminderte Schuldfähigkeit festgestellt. Darin sehe ich die Gefahr bei solchen verkürzt wiedergegebenen Urteilsbegründungen, dass sie alte Vorurteile und Klischees letztendlich immer wieder nähern, statt sie abzubauen.

    Hab mir alle drei Teile angesehen. Es ist eine schöne und einfühlsam gedrehte Doku, die Mut macht, neue Wege auszuprobieren, aber keine falschen Hoffnungen verspricht.


    Was ich ein wenig ernüchternd finde: Oft scheinen behinderte Menschen ihre potentiellen Partner wohl doch nur unter ihresgleichen zu finden: Kleinwüchsige unter Kleinwüchsigen, Down-Syndrom zu Down-Syndrom usw.


    Eine Ausnahme in der Doku ist die ehemalige Schreinerin, die seit ihrem Unfall im Rollstuhl sitzt. Auch ihr Dating-Partner hat allerdings eine gesundheitliche Problemitik (Depression mit Arbeitsunfähigkeit) und fällt von daher auch aus dem "normalen" Raster. Da fragt mich schon, kann echte Inklusion im Bereich Partnerschaft und Beziehung überhaupt funktionieren? Oder wird sie ein Traum bleiben?

    Bewundernswert finde ich dagegen, wie vorbildlich alle (oder die meisten) Beteiligten von ihren Eltern unterstützt wurden. Selbstverständlich ist das vermutlich nicht.


    Schade, dass man nicht mehr darüber erfährt, wie es für Robin, den jungen Autisten, weitergegangen ist. Das hätte mich interessiert, denn seine Situation kommt meiner eigenen wohl noch am nächsten. Auch bei den anderen Protagonisten blieb es schlussendlich offen, ob es zu einer festen Beziehung kommt oder nicht. Vielleicht wäre es aber auch unrealistisch, überall ein Happy End zu erwarten.

    Mich hat es da deutlich weniger hart erwischt ( mal davon abgesehen , wie es sich auf ein 4 Jahre altes Kind auswirkt , wenn es 6 Wochen alleine in fremde Umgebung geschickt wird) Aber ich kann mich noch sehr gut dran erinnern , das ich die halbe Nacht alleine im stockdusteren Speisesaal verbrachte , weil ich so ein ekliges Brot mit so weißer Wurst essen sollte, was ich selbstverständlich verweigert habe

    Das tut mir leid, dass du so etwas auch erleben musstest. Wie geht es dir denn heute damit, hast du diese Erfahrung als traumatisch in Erinnerung?

    Hier eine Petition von einer anderen Plattform, die ich gut finde:


    https://www.change.org/p/lidl-deutschland-wöchentliche-autismus-sensible-einkaufsabende-bei-lidl-deutschland-wie-bei-lidl-Irland


    Die Petition ist aufklärend, informativ und höflich formuliert, nicht so anklagend und vorwurfsvoll wie die ersten beiden. Ich selbst hab bislang nicht unterschrieben, weil sich die Petition nur an Lidl richtet und ich nie bei Lidl einkaufe.