Beiträge von Dario

    Mich hat es da deutlich weniger hart erwischt ( mal davon abgesehen , wie es sich auf ein 4 Jahre altes Kind auswirkt , wenn es 6 Wochen alleine in fremde Umgebung geschickt wird) Aber ich kann mich noch sehr gut dran erinnern , das ich die halbe Nacht alleine im stockdusteren Speisesaal verbrachte , weil ich so ein ekliges Brot mit so weißer Wurst essen sollte, was ich selbstverständlich verweigert habe

    Das tut mir leid, dass du so etwas auch erleben musstest. Wie geht es dir denn heute damit, hast du diese Erfahrung als traumatisch in Erinnerung?

    Hier eine Petition von einer anderen Plattform, die ich gut finde:


    https://www.change.org/p/lidl-deutschland-wöchentliche-autismus-sensible-einkaufsabende-bei-lidl-deutschland-wie-bei-lidl-Irland


    Die Petition ist aufklärend, informativ und höflich formuliert, nicht so anklagend und vorwurfsvoll wie die ersten beiden. Ich selbst hab bislang nicht unterschrieben, weil sich die Petition nur an Lidl richtet und ich nie bei Lidl einkaufe.

    - Wohlfahrtspfleger(in)

    - Fürsorger(in) oder

    - Sozialarbeiter(in)

    So besonders glücklich finde ich sie alle drei nicht. Fürsorger als Berufsbezeichnung klingt in der tat sehr paternalistisch. Die Silbe -pfleger assoziiere ich mit pflegerischer Tätigkeit im Sinne von Kranken- oder Altenpflege, also körperliche Pflege. Die Bezeichnung -arbeiter ist für mich rein intuitiv immer noch mit körperlicher Arbeit verbunden.


    Ich weiß auch nicht, was eine zeitgemäße, treffende Berufsbezeichnung für den Sozialarbeiter sein könnte. Vielleicht Sozialhelfer, Sozialmanager, Sozialberater oder etwas in der Richtung, wo der Dienstleistungscharakter deutlich wird.

    Warum nur haben so viele ein Problem mit dem Wort "Fürsorge"? An meinem eigenen Arbeitsplatz erlebe ich das eher als positiv, denn es ist ja genau diese Fürsorgepflicht, die mich davor schützt, z.B. Mehrarbeit oder Samstagsarbeit leisten zu müssen - was alles dazu beiträgt, dass ich diesen Arbeitsplatz überhaupt behalten kann.


    Ich wäre doch schön blöd, wenn ich diesen Fürsorgeaspekt in Frage stellen würde, denn damit würde ja schlussendlich meinen Arbeitsplatz in Frage stellen. :icon_rolleyes


    Natürlich kann dazu auch anderer Meinung sein. Wenn es um meinen Arbeitsplatz geht, sehe ich die Dinge jedoch knallhart pragmatisch: Wenn ich ihn nur mit besonderer "Fürsorge" behalten kann, dann will ich dieses Wort (auch die möglicherweise dahinter stehende Mentalität) nicht in Frage stellen. Das Ganze ist ja ein System, dass sich für mich in den zurückliegenden 14 Jahren gut bewährt hat.

    Hallo Enscha,


    in bestimmten Punkten sind autistische Arbeitnehmer schon fürsorgebedürftiger als andere. Sie brauchen z. B. klarere Strukturen, mehr Abschirmung von Stress und Multitasking. Auch einen festen Ansprechpartner bei Problemen(z.B. Betriebsrat, Betriebsarzt oder Schwerbehindertenvertretung) finde ich wichtig. Ohne Unterstützung im Bewerbungsverfahren hätten viele Autisten wohl ebenfalls keine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt.


    Von daher finde ich die Formulierung mit der Fürsorge schon in Ordnung, selbst das Gesetz geht ja von einer besonderen Fürsorgepflicht gegenüber schwerbehinderten Mitarbeitern aus. Darauf können und sollten wir nicht vollständig verzichten. Dass sich der Arbeitsmarkt allein über das Ideal der Diversität regulieren wird. ist ein Ideal, dass man anstreben kann, aber soweit ist unsere Gesellschaft noch lange nicht - und wird es auch in absehbarer Zeit vermutlich nicht sein.


    Meine Frage hinsichtlich der Petition wäre nur: Wie soll so eine "Fürsorgepflicht" gegenüber arbeitslosen Autisten konkret aussehen? Und ist der Bundesarbeitsminister der richtige Adressat dafür? Und müsste diese Fürsorgepflicht dann nicht auch für alle andere Menschen mit Behinderungen gelten, die es ebenfalls schwer haben, in den Arbeitsmarkt zu kommen? Ich halte die Petition für gut gemeint, aber nicht gut zu Ende gedacht.

    Durch Zufall habe ich über Google diese Petition entdeckt:


    https://www.openpetition.de/pe…-arbeitsmarkt-inkludieren


    Die Petition wurde im Mai gestartet und läuft noch 16 Tage. Sie hat bis heute gerade 5% der angestrebten 5000 Unterschriften erreicht. Eigentlich ist diese geringe Resonanz schwer zu verstehen, denn das Anliegen finde ich absolut berechtigt und unterstützenswert.


    Wobei der Petitionstext zugegebenermaßen eine Schwachstelle hat: Die Unterstützerin macht selbst keine konkreten Vorschläge, wie sie sich Inklusion von Autisten in den ersten Arbeitsmarkt konkret vorstellt. So sympathisch ich das Anliegen finde, fürchte ich auf der andere Seite, dass eine "Fürsorgepflicht für Autisten" (Was soll damit konkret gemeint sein?), die sich an den Bundearbeitsminister richtet, allein nicht viel bewirken wird, solange man in den Firmen, also in der freien Wirtschaft, nicht bereit ist, offener zu werden und Autisten eine faire Chance zu geben.


    Ich will die Petition nicht schlechtreden, bin aber skeptisch, ob sie in dieser Formulierung sonderlich viel bewirken kann. Außerdem hätte sie mehr Werbung und Unterstützung gebraucht. Nun ist es wohl schon zu spät, die notwendigen 5000 Stimmen werden in 16 Tagen wohl kaum noch zusammengekommen.

    Hallo Lynkas,


    ich kann mich Ella nur anschließen: Du musst dich deinen Eltern gegenüber ganz bestimmt nicht schuldig fühlen! Du hast weitaus mehr Lasten zu tragen als andere Menschen deines Alters. Du brauchst jemanden, der dich unterstützt und nicht umgekehrt.


    So wie du sie beschreibst, gehört es ja ohnehin zur (unbewussten) Strategie deiner Mutter, dir Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen einzupflanzen. Offenbar ist ihr das in diesem Punkt zumindest teilweise auch gelungen.

    Hallo Lynkas,


    ich glaube ähnlich wie Dagmar, dass es wenig Erfolg versprechend ist, die Kommunikation zwischen dir und deinen Eltern im Detail zu analysieren, solange das Problem zu großen Teilen auch in der beengten Wohnsituation liegt.


    Was ich mich frage: Gibt es denn gar keine Möglichkeit, dass du von zu Hause ausziehen und dir - soweit gesundheitlich möglich - ein eigenes Leben aufbauen kannst?


    ich kann und will mir einfach nicht vorstellen, dass man einen erwachsenen Menschen zwingen kann, Zeit seines Lebens im Elternhaus zu wohnen, wenn die Situation für alle Seiten derart belastend ist. Leider kenne ich mich nicht aus, was es für dich noch an Hilfsangeboten geben könnte, denn du hast ja in der Vergangenheit schon vieles ausprobiert, was dich nicht weitergebracht hat.

    Hat denn irgendjemand Nachteile durch das Wahlrecht für vollbetreute behinderte Menschen?

    Nein, natürlich nicht. Aber ich fühle mich als der falsche Adressat für solche Fragen, ich stehe ja auf deiner Seite. Das sind Fragen an die Politik und die meinungsbildenden Medien, die müssten sich mal offen und ohne Vorurteile damit befassen.

    Viele Leute befürchten, dass die Betreuer oder Eltern das Kreuz in ihrem Sinne machen. Das mag es sicher geben, hoffe aber, dass sie im Sinne ihres Betreuten handeln. Wenn man das aber als Grund nimmt, Menschen das Wahlrecht zu verweigern, dann müsste man wohl auch Briefwahlen abschaffen. Man weiß bei Briefwahlen ja nie, wer das Kreuz macht.

    Was meint ihr?

    Ich sehe das genauso wie du: Es gibt keinen logisch nachvollziehbaren Grund, Menschen mit gesetzlicher Betreuung vom Wahlrecht auszuschließen. Oder andersherum: Wenn man die ganzen Vorbehalte und Bedenken in gleicher Weise auf nicht-behinderte Menschen überträgt, dann müsste man genau genommen noch viel mehr Menschen vom Wahlrecht ausschließen - vielleicht sogar die meisten. Komischerweise setzt bei "Normalbevölkerung" niemand derart strenge Maßstäbe ans Wahlrecht an.


    Vielleicht hätte ich mich von Anfang an stärker an der Diskussion beteiligt, wenn mich das Thema nicht derart triggern würde. ich hab mich eine Zeit lang mit dem Thema Kinder- und Jugendwahlrecht beschäftigt (weil ich selbst eine sehr belastende Kindheit hatte), das ja leider bis heute nicht mehrheitsfähig ist. Bezeichnenderweise trifft man dort auf ganz ähnliche Vorbehalte und Argumentationsmuster wie jetzt bei Wahlrecht für Menschen mit gesetzlicher Betreuung.


    Viele Menschen wollen ihre angestammten "Privilegien" einfach gerne für sich behalten und sie ungern mit Anderen teilen, das ist meines Erachtens der einzig tiefere Grund, der dahinter steckt.

    Über den Newsletter von Campact wurde ich heute auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, kosentlose Aufkleber zu bestellen, um damit die Klimaproteste von Kindern und Jugendlichen zu unterstützen:


    https://www.campact.de/kohleaus/schulstreik-b/aufkleber/


    Finde ich eine gute Sache, aber ich selbst werder mir wohl keine bestellen. Ich kenne keine Jugendlichen, die sich an der Bewegung beteiligen und die ich damit unterstützen könnte.