Therapiehund/ Autismus

  • Hallo Ella,


    ich bin da ein bisschen ambivalent. Wir haben ja selber einen Hund, zu dessen Anschaffung der therapeutische Aspekt der Auslöser war.
    Unser Hund kann gar nichts besonderes "assistenzhundmäßiges", kann nix bringen auf Kommando, wird nicht per Leine mit Hans verbunden draußen um ihn zu führen oder zu sichern,...
    Er kann also nichts, was ihm ein Assistenzhundetrainer hätte beibringen müssen.


    Er kann aber - in Bezug auf Hans' Besonderheiten - doch eine ganze Menge.
    Er hat (wie auch immer er das geschafft hat) vom ersten Tag an mehr Frieden ins Haus gebracht, vor allem die Geschwister streiten seitdem nicht mehr soviel.
    Er ist niemals emotional genervt von Hans, wenn es ihm wirklich mal zuviel wird, dann geht er eben (wir haben bei Hunds Erziehung großen Wert drauf gelegt, dass er selbständig entscheidet, und nicht auf Kommando mit Hans umgeht).
    Er geht von sich aus dazwischen, wenn Hans hier giftig wird und in einer"Schimpfschleife" festhängt - das ist oft die einzige Chance, Hans da schnell wieder rauszubringen, weil der Hund ihn zum umswitchen bringt.
    Hans bezieht sich sehr oft auf ihn, der Hund ist sein bester Freund und seine Gesellschaftsdame, der Hund macht ihm das Kopfkissen, er rauft mit ihm (macht schauspielerisch auf "böser Wolf"), die beiden teilen sich Maiswaffeln, der Hund schleckt den Hans in der Wanne "sauber" bis der quietscht vor Lachen,
    er hilft,Kontakte zu knüpfen auswärts, ist Gesprächsaufhänger und -thema ("Du hast aber einen schönen Hund").
    ...


    So ein großes stabiles, liebevolles und schlaues Tier als Freund ist also sehr viel wert.



    Echte Autism-Assistance-Dogs werden aber ganz anders trainiert: Sie lernen, wenn das Kind einen Ausraster hat, sich als "Anker" (wenn per Leine verbunden) hinzulegen oder als Stopper vor die Türe zu legen. Zum Beispiel. Wenn ich mir vorstelle, unser Hund (Golden Retriever wiegt ca 35 kg) würde sich hinschmeißen müssen bei einem Aussetzer vom Hans, und entsprechend natürlich die volle Ladung Wut abbekommen: Zerren, Tritte, Geschrei, ... - das ist völlig gegen die Veranlagung des Hundes, das entspricht nicht dem Sozialverhalten des Hundes, das setzt den Hund unter ganz erheblichen Stress. Wenn der Hund dann noch kaum Rückzug hat, sondern am Wochenende womöglich den ganzen Tag dem ausgesetzt ist - da hört die Freundschaft auf ...
    Deshalb bin ich ein wenig skeptisch, was Autism-Assitance-Dogs betrifft. Es muss gesichert sein, dass der Hund genug Rückzug und Ausgleich hat, es muss gesichert sein, dass der Hund vor Aggressionen, Übergriffen, herausforderndem Verhalten ausreichend geschützt ist. Sonst ist es eine Quälerei für den Hund, und kann schlimmstenfalls auch mal in die falsche Richtung losgehen ...


    Das obere Foto aus dem Link übrigens zeigt einen Hund in einer für ihn ziemlich unangenehmen Lage: "Umzingelt" von zwei Personen, beide gucken ihn an, beide fassen ihn sogar am Hals - unter Hunden läuft das unter Bedrohungssituation ... Wenn die das als Werbefoto nehmen, dann sprechen die kein "Hund"



    übrigens: wenn der Junge aus dem Beitrag mit Hunden sanft umgeht (wie viele autistische Kinder), dann hätte die gute Frau sich die weite Reise sparen können ... So sensibel sind viele ganz normale Hunde, bestimmt auch in Japan.

    Enscha - mit Hans im Glück (frühkindlicher Autismus, und Pubertät)
    "Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative, und eine komische."

    13 Mal editiert, zuletzt von Enscha ()

  • Hi Enscha,
    du weißt doch, wie das mit der Werbung ist ;-)
    Ich finde Goldies zu leicht für diese Art von Assistenz-Hund (also Ad(h)s, Autismus, emotional überboardendes Verhalten).
    Dafür sollte es meiner Ansicht nach immer einen Hund über 45 Kilo sein und einer, der nicht gefallen will...


    Wie du sehe ich das mit dem Tierschutz sehr kritisch, der Rückzug und die "arbeitsfreie" Zeit muss genügend gewährleistet sein.


    Ich hab ja einen GSSH und denke, dass diese Rasse grundsätzlich für so einen Job sehr gut geeignet ist...(gibt wohl auch einige).


    Das schwierige an dem Job ist wohl, dass der Hund einerseits sehr sensibel sein soll, andererseits aber Verhalten des Kindes stoisch aushalten soll....


    LG, Finnja

  • Morgen Finnja,


    <3 in Große Schweizer Sennenhunde bin ich auch ein bisschen verliebt (während ich so einen zotteligen Sennenhund nicht so gerne hätte).
    Der Rasse wäre ich als Hunde-Anfängerin wohl noch nicht ganz gewachsen gewesen, zuhause schon, aber unterwegs nicht ... Da reichen mir 35 kg, ein noch größerer Hund muss ja 100% abrufbar sein, das ist meiner nicht ...


    Für Hans ist er schwer genug, ich bin ja immer dabei und habe dem Hund gelernt, dass ICH Hans maßregele, wenn er dem Hund gegenüber übergriffig wird und dass der Hund dafür jederzeit gehen kann, wenn's ihm zu blöd wird (wobei Hans ihm eh nicht weh tut, er bläst ihm halt mal ins Gesicht, legt ihm die Pfoten "richtig" hin, oder so)


    Stoisch und sensibel, das geht schwer zusammen - die eierlegende Wollmilchsau.
    wobei:die Mischung hätten wir, wenn Du da jetzt noch mindestens zehn Kilo drauflegst, dann kommt der Hund ja trotzdem in Stress, wenn er zB als Anker liegen soll, und nicht nach Hundeart gehen darf oder massregeln oder beschwichtigen...
    Wenn Hans austickt, hat der Hund nicht Einsatz, sondern Pause - das regel ich lieber selber. Und da kommt der Hund auch wirklich in Stress bei uns, wenn er zu nah dran ist.


    Wie ist das bei Euch? du hast den Hund auch selber ausgebildet?

    Enscha - mit Hans im Glück (frühkindlicher Autismus, und Pubertät)
    "Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative, und eine komische."

    12 Mal editiert, zuletzt von Enscha ()

  • Hi,
    ja, ich habe selber ausgebildet....
    Naiverweise wollte ich mir einen Assistenzhund ausbilden so in Richtung Besuchshund in Heimen- und Wohngruppen und Schulen ;-)
    Hab aber dann schnell festgestellt, dass eine wirklich gute Hundeausbildung nicht vereinbar ist mit vier Kindern unter 10 und einem Vollzeitjob.....
    Schon alleine der "normale" Hundeplatzbesuch war schwierig zu gestalten (entweder ich wär immer alleine gegangen oder einer war mit Hund auf dem Platz, der andere hat die Kinder gehütet).
    Hier in der Nähe hätte es sogar eine gute Trainerin gehabt.


    Als unsere ein ca dreiviertel Jahr alt war, war ich mit ihr an der Gb-Schule, sie hat da die gesamte Unterstufe durchgemacht und war dabei völlig entspannt, war echt cool.


    Da du Hans erziehst, seh ich kein Problem für dich einen GSSH großzuziehen, da bist du eigentlich auch kein Erziehungsanfänger sondern Vollprof, bei all dem was du über Wahrnehmung und Lernen weißt, du musst es nur auf den Hund runterbrechen (das merke ich gerade beim Pferd und im Umgang mit den Pferdeleuten, da bin ich ja völliger Anfänger, geh aber völlig anders an Sachen ran, deswegen sind schon erste Erfolge sichtbar).


    Ich finde es für die Hunde sehr schwierig, das Blocken und so, hab es leider auch noch nie live gesehen...
    Tür blockieren und an Straßen stehen bleiben, das geht ja noch, sich aber auf ein tobendes Kind zu legen, bis es sich beruhigt hat?


    Der GSSH braucht vor allem viel Zeit, gerade im Wachstum, wenn er seinen Körper überhaupt nicht ordnen kann und dann wird er erst später erwachsen (das darf man immer nie vergessen und nicht zuviel fordern). Generell ist er eher ein einfacher klar strukturierter Hund, der gerne weiß woran er ist (also schreien kann man vergessen, wird sofort als unsouverän ausgelegt), er reagiert lieber, als dass er agiert (im Ggs zu vielen Hüterassen) und ist lang nicht so verspielt und quirlig wie Terrier (unser Ersthund ist eine Rüsselsau).
    So mit zwei rum hat unsere dann begonnnen Haus und Hof zu bewachen, aber alles super easy, wenn wir dabei sind, zeigt sie nur kurz an und überlässt uns dann den Rest (Ist wohl bei manchen Rüden mit nicht ganz so souveränen Haltern anders), draußen wollte sie anfangen die Kinder zu bewachen und -schützen, das hab ich ihr schnell aus der Hand genommen.


    Der nächste Hund wird wieder ein GSSH ;-) auch wenn sie einem die Haare vom Kopf fressen....


    LG, Finnja

  • Hi Hundefreundinnen,


    ab wann habt ihr denn eure Hunde in die Familie geholt? Wie alt waren eure Kinder da?


    Ich überlege selbst schon sehr stark, ob ein Hund nicht toll wäre. Meine Mutter hat einen, und mit dem kann der kleine Prinz total gut umgehen. Der Hund zeigt es ihm auch, wenn ihm eine "Streicheleinheit" zu grob ist, aber ohne ihn je zu verletzen.


    Wir haben ja leider ein eher kleines Haus, und die kleine Fee reagiert auf den Speichel mancher großer Hunde allergisch, daher könnte ich wohl maximal etwas in Richtung Pudel oder so nehmen. Allerdings ist der kleine Prinz auch bisher noch nie aggressiv geworden, eher weinerlich. Seine "Extrem-Auszucker" manifestieren sich "nur" durch Schreien.


    Danke für eure Einschätzung ...


    Nachtrag:

    nicht vereinbar ist mit vier Kindern unter 10 und einem Vollzeitjob


    OMG. Wie bitte wuppst du das???

    michie mit kleinem prinzen (11/2012; ASS) und kleiner fee (02/2015)

    Einmal editiert, zuletzt von michie ()

  • Michie, Finnja ist außer Konkurrenz mit ihrem Pensum. Bei Hunden nennt man das "hohes Energieniveau" ... 8o



    Ich hatte letztens einen Zwergpudel zu Besuch, sehr charmantes zartes Tierchen. Wenn man einen Hund mit therapeutischen "Hintergedanken" anschafft, dann kommt es immer drauf an, was genau der Hund bewirken soll. Ich würde beim kleinen Prinzen da noch ein wenig zuwarten, wie er sich entwickelt. Es gibt zB genug Autisten, die Tieren gegenüber sehr kompetent agieren, während sie menschliches Sozialverhalten in Gruppen (Schule!) ziemlich überfordert bzw zumindest viel Energie raubt. Da kann so ein Pudelchen oder Havaneser oder so perfekt sein.


    Finnja : Kommunizieren an sich kann ich gut mit dem Hund, und anweisen auch. Zuhause braucht es nur einen Augenwink von mir wenn er vom Sofa soll, das reicht.


    Aber beim Spazierengehen war mir zB nicht klar, wie komplex die Sache ist. Beispiel: Letztlich hat der Hund gelernt, dass er beim Spazierengehen viel mehr Egenständigkeit hat als zuhause, das war mir nicht bewusst beim Erziehen. Ich bin ja eine Monotaskerin, wenn ich also beim Gassigehen mit einem Menschen ein Stück gehe und ratsche, dann bin ich nur mit 10% beim Hund. Das hat sich bemerkbar gemacht ... Erziehungsfehler lassen sich nicht so leicht zurücknehmen, für ernsthaftes Training sinddie Macken von Hund nicht störend genug für mich. Hund und ich wollen einfach nur einen gechillten Spaziergang :-) Mit einem schwereren Hund müsste ich da viel mehr dran arbeiten.
    Dass Hunde so komplex interagieren, so fein verknüpfen, so schlau sind, das hatte ich trotz der Bücher und der Hundeschule nicht auf dem Schirm, das hat mir erst der Hund gelernt :D


    Das ist ist aber mit das Spannendste an dem "Projekt", und ich habe damit auch sehr viel über mich und über nonverbale Kommunikation gelernt. Was auch sehr viel wert ist, auch in Bezug auf Hans.



    mit Pferden zu arbeiten, wäre jetzt auch eine sehr spannende Herausforderung. Leider bin ich eher von der Sorte "niedriges Energieniveau". :P

    Enscha - mit Hans im Glück (frühkindlicher Autismus, und Pubertät)
    "Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative, und eine komische."

    20 Mal editiert, zuletzt von Enscha ()

  • Also grundsätzlich finde ich Therapiehunde toll. Und manches was ich gerade darüber gelesen hab (auf einer anderen Seite, weil welt.de mag mich nicht) finde ich recht gut.
    Anderes wiederum finde ich nicht ganz so passend...


    Grundsätzlich ist ja auch nicht jeder Hund, abgesehen von der Hunderasse geeignet um ein Therapiehund zu sein. Ich frage mich wirklich, ob bei allen Untersuchungen / Studien auch darauf geachtet wurde, wie das für einen Hund so ist.
    Also gerade das mit dem "auf die Beine legen" finde ich irgendwie schwierig. Kann mir auch nicht wirklich vorstellen, dass das etwas nutzt. Aber da kenne ich mich wahrscheinlich zu wenig aus.


    Ich denke, es lässt sich auf jeden Fall sagen, das Hund und auch andere Tiere sehr viel bei einem Menschen bewegen können. Nicht umsonst gibt es die Tiergestützte Therapie (oder wie genau das auch heißt). Aber ob man für alles einen Assistenz oder Therapie Hund braucht, halte ich für fraglich.

  • Wir haben ja auch Hunde, allerdings keine Therapiehunde - dafür fehlt mir mit Vollzeit Job einfach die Zeit um sie ausbilden zu lassen. Trotzdem finde ich Therapiehunde toll. Erst am WE stand bei uns in der Zeitung wieder ein Artikel über einen Hund, der einem an Diabetes erkrankten Mädchen gehört und darauf reagiert, wenn der Zucker in einen gefährlichen Bereich fällt ... finde ich ganz toll.


    @michi: Unsere Tochter ist von Geburt an mit einem Hund aufgewachsen - der war damals allerdings schon 10 Jahre alt (ein kleinerer Mischlingsrüde - 15 kg). Wir waren dann von ca. 2009 bis 2014 ohne einen Hund. U.a. auch deswegen weil meine Tochter panische Angst vor Hunden entwickelt hatte. Stur wie ich bin, hab ich mir dann aber 2014 dann doch wieder einen Hund gewünscht und meine Tochter hat dem dann auch zugestimmt, es sollte aber auch eine kleinbleibende Rasse bleiben, weswegen wir uns für den Chihuahua entschieden haben.


    Also kam, trotz Panik und Angst meiner Tochter, Ende März 2014 unser Chi-Mischlings-Rüde zu uns und siehe da, binnen kürzester Zeit hat meine Tochter dann ihre Angst abgelegt und sie ist von Anfang an super mit unserem neuen Familienmitglied zurecht gekommen. Die ersten Annäherungsversuche waren zwar noch zaghaft, aber nach wenigen Tagen hat sie alle Berührungsängste verloren - und das wo sie vorher um jeden Hund einen meterlangen Bogen gemacht hat. Auch wenn er keine Ausbildung hat, schon gar nicht als Therapiehund, so hat er doch für mich einen therapeutischen Zweck erfüllt und meiner Tochter ihre Panik vor Hunden genommen. Heute zeigt sie auch vor anderen Hunden keine Angst mehr, vor sehr großen zwar noch Respekt, sie würde aber vor keinem Hund mehr davon laufen oder einen riesigen Bogen um ihn machen.


    Im September 2014 haben wir dann unser Chi-Mädl zu uns geholt (weil ich einen Zweithund wollte u.a. auch da der Ersthund nicht alleine bleiben sollte - sind ja Rudeltiere).


    Der dritte kam im Juni zu uns. Hätte eigentlich ein anderer werden sollen, genauer gesagt der Bruder der bereits ein halbes Jahr älter war - kam dann aber anders und so hat sich der damals 15 Wochen alte Chi-Rüde in meine Tochter und sie sich in ihn verliebt. Unglaublich was da von Anfang an für eine Bindung da war. Auf der einen Seite das schüchterne autistische Mädchen, dass früher totale Panik auch vor so kleinen Hunden schob und auf der anderen Seite ein zartes nicht mal 2kg Geschöpf - beide sind die ersten Tage kaum einander von der Seite gewichen und auch heute noch ein Herz und eine Seele.


    Unsere zwei kleinen Hunde gehören meiner Tochter, funktioniert natürlich nur weil ich mich mitkümmere (sind aber für mich auch wie eine Therapie mit meinen ganzen Erkrankungen).



    Ich finde man kann nicht so pauschal sagen, ab welchem Alter man sich einen Hund holen sollte. Das kommt ja einerseits auf den Hund selbst an - da ja jeder einen anderen Charakter hat (mal abgesehen von der Rasse) und dann auch auf das Kind. Meine Tochter konnte trotz ihrer Angst / Panik schnell gut mit den Hunden umgehen, vielleicht auch weil da genug Respekt vorhanden ist/war. Vor kurzem war eine neue Freundin bei uns (gleiches Alter - also jetzt 10) die mit den Hunden gar nicht umgehen konnte.


    Therapiehunde selbst sind natürlich was ganz tolles, aber auch schon normale Hunde können bei unseren Kindern auch viel bewirken.


    LG Mina

  • Danke, dass ihr eure Erfahrungen geschildert habt.


    Ich habe gar keine Erfahrung mit Hunden, bin also absoluter Laie und bin davon ausgegangen, dass ausgebildete Therapiehunde unter Berücksichtigung ihres Wesens und Charakters ausgebildet werden.
    Dass dem anscheinend nicht so ist, hat mich jetzt doch erstaunt.
    Ich würde als Halter nicht wollen, dass der Hund ständig gegen sein Wesen handeln muss, oder sogar schwere körperliche Belastungen (Tritte, Schreie usw.) gegen seinen Willen aushalten muss und sich nicht aus der Situation ziehen kann, sondern in dieser Stresssituation auch noch der Fels in der Brandung sein muss.
    Das kann doch für kein Tier gut sein. Bauen sich unter diesen Bedingungen mit der Zeit nicht doch auch Aggressionen beim Tier auf, die dann unkontrolliert ausbrechen können?


    In dem Artikel stand, dass solch eine Ausbildung 30000 Euro kostet.
    Wer kann das bezahlen? Wie wird ein THerapiehund finanziert.


    Mich hat an dem Artikel fasziniert, dass der Junge jahrelang überhaupt nicht zu erreichen war, aber dann auf den Hund reagierte.
    Das muss für die Mutter ein wahnsinniges Gefühl gewesen sein.

  • Hi Ella,


    Zitat

    Therapiehunde unter Berücksichtigung ihres Wesens und Charakters ausgebildet werden.

    Das ist schon so, sie werden nach Eignung sorgfältig ausgesucht und ausgebildet. Du musst quasi noch eine Ebene drüber. Die Tierart Hund kann eine ganze Menge, was Menschen zugute kommt.
    Sachen bringen, die Menschen nicht mehr finden, oder an die sie nicht rankommen (tote Enten auf der Jagd, verlorene Schlüssel, illegale Drogen, Vermisste, Hausschuhe für Rollstuhlfahrer, ...). Dinge oder Lebewesen bewachen oder hüten. Das entspricht ihrem Wesen. Dabei hat jede Rasse ihr Spezialgebiet.
    sich wo hinlegen und einen Wutanfall aushalten entspricht NICHT ihrem Wesen.
    das heißt, man kann es vielleicht trotzdem antrainieren, aber der Nutzen am Menschen muss dann halt dafürstehen. Gut tut dem Hund das nicht.



    mit Sicherheit können Tiere unter den richtigen Umständen bei dafür empfänglichen autistischen Kindern sehr sehr viel bewirken.

    Enscha - mit Hans im Glück (frühkindlicher Autismus, und Pubertät)
    "Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative, und eine komische."

    4 Mal editiert, zuletzt von Enscha ()

  • Hmm... Ich frage mich, wie das mit den Wutanfällen wirklich ist.
    Auf der Homepage vom Deutschen Assistenzhunde Zentrum habe ich gelesen, das es um Meltdowns und Shutdowns geht. Nicht aber um Wutanfälle. Ich denke das ist dann ja doch nochmal was anderes.


    Irgendwie schwierig... Denke auch, das ein Hund sehr vieles leisten kann, aber man eben auch genau schauen muss. Es ist ja auch nicht jeder Mensch dafür geeignet einen Assistenzhund zu haben. Wenn ich das richtig verstanden habe, wird ja auch das geprüft.


    Wie das mit der Finanzierung ist, weiß ich selber nicht. Denke auch da kommt es darauf an, um was für einen Assistenzhund geht, welche Hunderasse (ich meine mal was davon gehört zu haben das die teilweise unterschiedlich viel kosten) und dann auch auf die Ausbildung selber. Die Ausbildung ist ja auch unterschiedlich lange und hängt sicher auch vom Charakter des Hundes ab und wie schnell er lernt und so...



    Ich hab jetzt heute mal eine Mail an dieses Assistenzhunde Zentrum geschrieben. Gibt nämlich auch [lexicon]PTBS[/lexicon] Hunde und ich würde echt gerne mehr darüber wissen und schauen, ob es evtl. eine Möglichkeit / Hilfe für mich im Alltag wäre, um besser zurecht zu kommen.

  • Trixi ich denke mal ganz abgesehen von der Rasse, dass auch innerhalb einer geeigneten Rasse nicht jeder Hund geeignet ist um ihn als Therapiehund auszubilden. Ich kann mir gut vorstellen, dass Hunde mit gewissen Charaktereigenschaften extra dafür gezüchtet werden. Aber auch innerhalb einer Rasse sind die Hunde vom Charakter ja total unterschiedlich - das sehe ich bei meinen 3 Hunden, alle 3 Chihuahua bzw. 1 Chihuahua Mix, wovon einer zwar verspielt aber sehr ruhig ist, der andere typisch Schoßhund und total verschmust und der dritte extrem aktiv und richtig zappelig (wird gern auch mein ADHS-Hund genannt).


    Und so ist es doch bei allen Rassen, dass es aktivere, ruhige, ängstliche usw. Hunde gibt. Ich denke jemand der solche Hunde ausbildet erkennt das schon im Welpenalter, welcher Hund geeignet ist oder auch nicht.


    Wegen der Wutanfälle, kann ich mir auch nicht so ganz vorstellen, dass ein Hund dann sozusagen als Puffer herhalten soll, das kann doch auf Dauer nicht gutgehen, oder doch, ich kanns mir nicht vorstellen, auch der sanfteste Hund hat doch irgendwann genug. Aber ich kann mir vorstellen, dass ein Hund beruhigend in solchen Situationen auf einen Autisten wirken kann, aber natürlich nicht für jeden.


    Wegen der Finanzierung wäre interessant zu wissen, ob da wirklich irgendjemand zumindest einen Teil der Kosten übernehmen würde.

  • :D Mir ist klar, das auch nicht jeder Hund einer bestimmten Rasse geeignet ist. Hab das vielleicht ein bisschen ungenau geschrieben.


    Tatsache ist, das ein Welpe sehr früh getestet wird, ob er geeignet ist. Nach der normalen Hundeerziehung, vor dem richtigen Training kommt nochmals ein Eignungstest. Zumindest, wenn man die Fremdausbildung wählt.

  • Zitat

    das es um Meltdowns und Shutdowns geht. Nicht aber um Wutanfälle. Ich denke das ist dann ja doch nochmal was anderes

    Sorry, habe mich unklar ausgedrückt. Es geht um das, was in der Hundesprache als Aggression gilt: an den Hund gerichtetes Schreien, Zerren, Treten, ... egal warum jemand das mit ihm macht, es ist für den Hund Stress, das passiv auszuhalten ohne Flucht oder Gegenmaßnahmen.


    Und es ist dann übrigens nochmal was anderes, ob das Kind und der Hund zur gleichen Familie gehören, oder ob im Rahmen der tiergestützten Therapie ein Hund das von einem Kind aushalten muss, das nicht zu seinem Rudel gehört und das er nicht einschätzen kann.

    Enscha - mit Hans im Glück (frühkindlicher Autismus, und Pubertät)
    "Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative, und eine komische."

    6 Mal editiert, zuletzt von Enscha ()

  • ;-) tja mein Energielevel...
    ist sicher höher als das anderer, aber eher aus purer Notwendigkeit, wenn ich dann mal sitze (also mein Hintern sieht die Couch nicht soooo oft), dann sitze ich und wenn ich dann mal Mittagsschläfchen mache, dann ist der HEILIG!!!


    Mein Mann ist zuhause, das ist das Geheimnis, ich bin oft zuhause, kann vieles zuhause machen jobtechnisch (ich hab auch noch einen 450-€ Job) und er ist meine " Hausschlampe", ich hoffe der Begriff verstößt nicht gegen die Nutzungsbedingungen, ich finde das immer passender als Hausmann (da kommt immer sofort die Gegenfrage: Genügt ihm das? Findet er nichts? etc. pp. Dieser Ausdruck stößt alle immer so dermaßen vor den Kopf, dass nie blöde Gegenfragen kommen).


    Unser Leben sprengt IMMER jegliche Rollenklischees, wer versucht uns in Schubladen zu stecken, verzweifelt (zB mach ich dennoch die Wäsche und mein Mann ist naja, teilweise ein ziemlicher Chauvi nach außen hin, ab und an kommt auch der Ex-Soldat durch, was wahrnehmungsgestörten Kindern definitiv nicht schadet).


    Mit unseren Kindern und dem Alltagswahnsinn sind die Sozialkontakte eingeschränkt, das kennt ihr ja teilweise auch, also hab ich abends Zeit für den Teilzeitjob und das Pferd zB mach ich meistens morgens, wenn die Kinder in der Schule/KiGa sind...
    Um meine eigene psychische Gesundheit zu erhalten, hab ich mich schon vor Jahren von einem "sauberen" Haushalt verabschiedet, solange niemand festklebt oder gesundheitlich gefährdet wird, ist alles im grünen Bereich ;-)


    Wobei mir inzwischen AUCH klar ist, dass mein Tempo (der Bewegung und des Denkens) einfach meins ist und andere überfordert....


    LG, Finnja, die auch chilen kann...

  • Enscha, jetzt komme ich gerade nicht mehr mit...
    Also ein Assistenzhunde leben ja in der Familie, Therapiehunde für tiergestütze Therapie nicht. So weit ist mir das klar. Aber warum kann ein Hund das besser "aushalten" wenn es ein fremdes Kind ist. Oder verdreht sich grad wieder alles in meinem Kopf?


    Und bei einem Meltdown, Shutdown ist es doch so, dass sich das Schreien und so nicht gezielt gegen jemand richtet, oder? Sorry, aber ich kenne mich da wirklich zu wenig aus.

  • Hey Trixi,


    der Hund kann es NOCH schlechter aushalten, wenn es ein fremdes Kind ist.


    naja, Shutdown ist ja eher ein Zusammenklappen, da hat der Hund kein Problem wegen Aggression. Aber Hans zB geht im Meltdown schon aggressiv auf jemand los u.U. (Wenn, dann meistens auf mich), oder flippt halt, wenn sich da jemand in den Weg legt, dann kriegt's der eben ab. Das wäre sicherlich nicht nur bei Hans so.



    o.T. Finnja : Ich habe auch einen unorthodoxen Mann. Als Studentin (unter lauter gebildeten Akademikerkindern) habe ich auf Nachfrage immer gerne gesagt (in seinem Sinn auch), "Mein Freund [damals Bürokraft beim Anwalt, und noch nicht Ehemann] ist Tippse." Da war dann auch meistens Ruhe :D


    Zitat

    solange niemand festklebt oder gesundheitlich gefährdet wird, ist alles im grünen Bereich

    Dann habe ich ja endlich das ideale Gegenstück für Haustausch gefunden 8o:icon_lol:icon_lol

    Enscha - mit Hans im Glück (frühkindlicher Autismus, und Pubertät)
    "Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative, und eine komische."

    3 Mal editiert, zuletzt von Enscha ()

  • Diese Diskussion ist sehr interessant!


    Ich stelle mir das jetzt eher so vor, dass der Hund den emotionalen Zustand des Autisten spürt und BEVOR es zu Aggressionen kommt, beruhigend auf ihn einwirkt. Somit muss der Hund weder Tritte noch sonstige Aggressionen aushalten und der Autist kommt gar nicht in irgendeine emotionale Schieflage.

  • so zurück zu Lück ähhh Hund:


    michie : ich würde dann unbedingt BEVOR ich einen Hund hole einen Allergietest machen oder wirklich auf Tuchfühlung gehen, nicht, dass ihr nach einem halben Jahr oder so euren Hund wieder abgeben müsst, das ist immer tragisch. Allergie ist IMMER gegen den Speichel, der in den Haaren ist, ist jemand nicht "richtig" allergisch, geht schon viel mit wenig haarenden Rassen wie zB Pudeln sh zB auch Labradoodle ....


    ich bin überhaupt keine Freundin von starren Vorgaben bzgl des Alters etc....
    Unsere Tochter war gerade ein Jahr alt, als der schon 10 Kilo schwere Welpe einzog, sie geht eigentlich mit dem Hund auch am besten um, hatte nie Berührungsängste, kann den Koloss an der Leine führen (niemals würde die Hündin daran so ziehen, dass das Kind umfällt und Töchting würde niemals sich die Leine aus der Hand ziehen lassen, also passt das bei den beiden).
    Bei den Großen weiß unser Hund ganz genau, dass alle drei loslassen bzw nachgeben, sie geht da nur begrenzt Fuß oder kommt auch nur, wenn sie will (ZB weil es Leckerlies gibt).
    Der Große ist jetzt zehn und hat im Sommer immer wieder ein bisschen mit ihr geübt und war dann stolz wie Bolle, wenn es geklappt hat....


    Besuchskinder reagiern völlig unterschiedlich, was definitiv nicht unterschätzt werden sollte, ist die Grunderziehung des Welpen, die an sich nicht soooooooo schwierig ist, aber Zeit braucht und Übung (investier einmal und man hat eeeeewig was davon), da ist es hilfreich, wenn keine Kinder dazwischen funken (das war eines unserer Probleme, waren die Kinder da, ging Erziehungs- bzw Übungstechnisch wenig), denn das tun sie GRUNDSÄTZLICH (zumindest meine, immer mindestens eins).


    Natürlich ist das auch immer vom Hund abhängig und von dem, was man selbst möchte ;-) Ich kann meinen Hund nicht einfach untern Arm klemmen oder am Kinderwagen festbinden und 95% der Leute sind erstmal eher "vorsichtig" (weil schwarz, ach ja, Passanten reagieren auf helle Hunde definitv positiver, schwarz wird immer mit böse gleichgesetzt).


    Enscha :
    puhhhhhh der Tierschutz und die Funktion der Tiere....
    schwieriges Thema, bei Assistenzhunden ist es für mich ok, wenn der Hund gut geschützt, ausgeglichen und entlastet wird (ansonsten fangen sie so oder so an sich zu wehren), Pferde sollten eigentlich auch nicht geritten werden (deswegen mach ich so viel vom Boden aus hehe), ich denke sogar, dass es manchen Assistenzhunden mit schwierigen Kindern besser geht als manchem "normalen" Familienhund, der viel aushalten muss, aber nicht darauf geachtet wird...
    Delfintherapie finde ich zum bsp als höchst disskussionswürdig (aber da mach ich mir immer keine Freunde) und darüber, was alles als Reittherapie verkauft wird, wollen wir ja nicht reden...


    Und falls du es mal hier in Schwarzwald schaffst (hier hat es auch Kirchenglocken *wegschmeiß*), kannst du in der Halle Sachen mit dem Bock ausprobieren, mein Energie-Level ist ihm manchmal zu hoch (das ist dann seine therapeutische Funktion für mich, mich im Hier und Jetzt zu halten und mich zum Focus zu zwingen).
    Mit Pferden kommuniziert man eigentlich nur über den Körper, ohne Worte (ich denke, ich sprech pro Aufenthalt vielleicht ein, zwei Sätze mit ihm andere quasseln dauernd und wundern sich dann, dass niemand mehr zuhört), mit dem Hund mach ich es so halb, halb (deswegen hätte unsere nie die Begleithundeprüfung des VDH geschafft, da dürfen keine Sichtzeichen angewendet werden, außer bei tauben Hunden)... und den alten Hund brüll ich oft an ;-) sie sieht nichts mehr und hört beginnend schlechter...


    LG Finnja